Micky war meine erste eigene Katze. Nach dem Auszug bei meinen Eltern wohnte ich zuerst in einer 1-Zimmer-Wohnung, die leider für die Katzenhaltung zu klein war. Als ich dann mit meinem damaligen Freund zusammen zog, suchten wir uns eine 2-Zimmer-Wohnung und ich erfüllte mir einen großen Wunsch. Ich wollte unbedingt eine Katze haben, denn ich war bei meinen Eltern mit vielen Katzen groß geworden und vermisste sie sehr. 

Also fragte ich im Tierheim an, ob z. Zt. kleine Kätzchen abgabebereit wären. Die Tierpflegerin dort sagte mir, dass gerade vor ein paar Tagen 4 ganz junge Kätzchen in einem Sack an einer Landstraße gefunden wurden. Da diese sich aber noch nicht alleine ernähren konnten, mussten sie noch mind. 3 Wochen mit der Flasche gefüttert werden. Also wartete ich diese Zeit ab und besuchte die Winzlinge dann. Dort saßen 3 kleine Katzen und 1 kleines Katerchen und alle guckten mich neugierig an. Als ich mich mit den Kätzchen eine ganze Zeit beschäftigte, drängte sich der kleine Kater immer an meine Hand und wollte gestreichelt werden. Er guckte mich dabei so an als wenn er sagen wollte: "Nimm mich bitte mit!" Und genau das tat ich dann auch. Und so zog Micky im Juli 1989 bei uns im Alter von 8 Wochen ein.

 

 

 

Auf der Couch fühlte sich der kleine Mann am wohlsten.

 

 

Micky`s Lieblingsspielzeug

 

 

Eigentlich sollte Micky als Wohnungskatze leben, weil wir in der 2. Etage in einem Block wohnten. Außerdem befand sich ganz in unserer Nähe eine sehr befahrene Straße, die mir für Micky zu gefährlich war. Damals hatte ich mir leider noch keine Gedanken darüber gemacht, dass Micky unbedingt eine Partner-Katze brauchte. Aber er gab mir zum Glück sehr genau zu verstehen, dass er nicht als Einzelkatze in der Wohnung leben wollte. Der kleine Mann zerlegte sämtliche Teppiche und kratzte so laut an der Wohnungstür, dass es durch das ganze Treppenhaus hallte und sich die Nachbarn deshalb beschwerten. Ich verbrachte jede Mittagspause (1 Stunde) Zuhause und nahm Micky oft mit, wenn ich meine Mutter oder Freundinnen besuchte, damit er nicht so lange alleine sein musste. Aber das alles hielt ihn trotzdem nicht von seinen Untaten ab, während ich tagsüber auf der Arbeit war.

Zuerst versuchte ich mit Micky an der Leine spazieren zu gehen. Das funktionierte anfangs auch ganz gut, denn er freute sich immer, wenn wir seinen Katzenkumpel Moritz in der Nachbarschaft trafen, der ebenfalls an der Leine spazieren ging.  

 

 

Aber irgendwie reichten ihm 1 - 2 Std. Spaziergang nicht und so wurde Micky dann doch zum Freigänger. Meistens wollte er abends raus, wenn ich ins Bett ging. Morgens führte mich dann mein erster Weg im Bademantel unten an die Eingangstür des Wohnblocks. Micky war sehr zuverlässig und kam immer pünktlich von seinen nächtlichen Touren morgens um 06:00 Uhr nach Hause.

Einmal verspätete Micky sich, so dass ich eine ganze Zeit nach ihm rufen und pfeifen musste, bis er dann endlich kam. Als ich ihn mir genauer ansah, bekam ich einen riesen Schreck. Micky`s Fell war mittig oben vom Rücken bis unten zum Bauch aufgeschlitzt. Die Tierärztin hatte die Vermutung, dass jemand mit dem Spaten oder Beil nach ihm geschlagen hatte bzw. das er unter ein fahrendes Auto gekommen war. Micky wurde mit vielen Stichen zusammen genäht und nach ein paar Monaten war von dem Unglück nichts mehr zu sehen.

 Wir wohnten nicht lange in dieser für Micky gefährlichen Gegend, denn als ich mich von meinem damaligen Freund trennte, lernte ich kurze Zeit später meinen jetzigen Mann Uwe kennen und wir zogen recht schnell zusammen. So wurde Micky für ein halbes Jahr mal wieder zur Wohnungskatze, was ihm aber nicht sehr schwer fiel, weil er durch Uwe`s Katze Kescha Gesellschaft hatte. Micky und Kescha verstanden sich von Anfang an sehr gut.

Micky und Kescha

 

Richtig glücklich wurde Micky aber erst, als wir aufs Land zogen, denn da konnte er das Leben als Freigänger wieder in vollen Zügen genießen. Als erstes vertrieb er gleich sämtliche Streuner-Katzen vom Hof, was uns einige Tierarztrechnungen einbrachte, denn die Kämpfe unter den Katern waren manchmal so brutal, dass Micky mit tiefen Bisswunden nach Hause kam. Als die Chef-Frage unter den Katzen geklärt war, wurde das Leben auf dem Hof für Micky wieder ruhiger und so lebten unsere beiden Katzen 4 Jahre glücklich in ihrem neuen Revier.

Kescha und Micky bei einem erholsamen Mittagsschläfchen

 

 

Doch dann kam die schreckliche Nacht vom 17.07.1997, in der Micky von meinem damaligen Arbeitskollegen überfahren wurde und damit in Erfüllung seiner Pflicht starb. Micky war gerade dabei einen Kater vom Hof zu vertreiben und jagte ihn über die Straße. Dem anderen Kater passierte nichts und Micky rannte direkt vor das Auto. Zum Glück war er sofort tot, was mir der Tierarzt später bestätigen konnte. Mein Schwiegervater fand ihn am nächsten Tag tot im Straßengraben unserer Dorfstraße. Was für ein Schock, mein geliebter Micky war nicht mehr da. Ich konnte es im ersten Moment gar nicht fassen, dass mein langjähriger Kumpel so schnell aus meinem Leben gerissen wurde. Micky`s Reise ins Regenbogenland hatte mich so schwer getroffen, dass ich für ein paar Tage richtig krank war und auch nicht zur Arbeit gehen konnte. Hoffentlich erlebe ich so etwas nie wieder!

Micky war ein sehr eigensinniger Kater, der nur dann zu seinen "Dosenöffnern" kam, wenn er es wollte. Hatte er erstmal seine schmusigen Momente, dann wurden wir ihn nur sehr schwer wieder los. Er konnte dann ein richtiger Schmusekater sein, was Freunde und Verwandte gar nicht so recht glauben wollten, weil er Besuchern gegenüber immer sehr hinterhältig und unfreundlich war. Fremde mochte er gar nicht, bis auf ein paar Ausnahmen. Wenn Besucher ihn streicheln wollten, tat er zuerst immer ganz freundlich und hackte dann ohne Vorwarnung los. Manchmal kamen sogar seine Zähne mit ins Spiel. Meine Freundin hat deshalb heute noch eine Narbe von ihm, weil sie ihn streicheln wollte und er keine Lust dazu hatte. Machte man irgendwas, was gegen seinen Willen war, bekam man sofort Krallen und Zähne zu spüren. Trotzdem war er für uns ein liebenswerter Kater, den wir halt so nehmen mussten wie er war. Micky hatte ein ähnliches Wesen wir unser Sunny jetzt, der ja auch nicht richtig sozialisiert war und aus dem Tierheim kam.

 

 

Micky, du hinterlässt eine große Lücke und wurdest viel zu früh aus unserem Leben gerissen. Du warst eine besondere Katzenpersönlichkeit, die wir in lieber Erinnerung behalten werden. Wir denken gerne an die schöne Zeit mit dir zurück. Leb wohl Katerchen!   



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